Windenergienutzung – Bayern hat den Motor angeworfen!
Anders als in anderen Bundesländern steht die Windenergienutzung in Bayern erst am Anfang. In Deutschland waren zum Jahresende 2011 insgesamt 29.060 MW Windenergieleistung installiert. Auf Bayern entfiel davon eine installierte Leistung von insgesamt 683 MW – also gerade mal ein Anteil von etwas mehr als 2 %. Damit ist Bayern zusammen mit Baden-Württenberg, das mit 486 MW eine noch geringere installierte Windenergieleistung auswies, Schlusslicht der Flächenländer.

Dieser Zustand kann auf zwei wesentliche Gründe zurückgeführt werden. Zum einen lag in vielen Regionen eine ausgeprägte Skepsis der Bürger gegenüber der Windenergietechnologie vor, die auch zu einer sehr restriktiven Einstellung einzelner Regionalplanungs- und Genehmigungsbehörden führte, und zum anderen fehlten geeignete Windenergieanlagen für die Binnenstandorte in Bayern.
Auf politischer Ebene und bei Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise den Bayerischen Naturschutzverbänden besteht mittlerweile weitgehender Konsens darüber, dass die stetig wachsenden CO2-Emissionen reduziert und der Ausstieg aus der Kernenergienutzung umgesetzt werden müssen. In der Konsequenz ist die Energiewende deshalb auch für Bayern ohne Alternative, was wiederum zwangsläufig auch den Ausbau der Windenergienutzung und das Umdenken einzelner nach wie vor skeptischer Behörden und Politiker erforderlich macht. Denn die Windenergienutzung ist im Energiemix der Erneuerbaren Energien die wesentliche Komponente, weil sie
- nahezu flächendeckend möglich ist, insbesondere im ländlichen Raum,
- die Produktion von sehr viel elektrischem Strom auf kleiner Fläche ermöglicht,
- durch kurze Transportwege Leitungsverluste reduziert,
- den Bedarf an neu zu bauenden Infrastruktur-Großprojekten reduziert (bspw. Offshore und Desertec),
- sehr kostengünstig ist und
- sehr gut mit der Stromproduktion durch Solarenergie korrespondiert.
Das zweite Ausbauhemmnis in Bayern war die Leistungsfähigkeit der Windenergieanlagen für Binnenstandorte. Häufig tauchte als ein Argument gegen Windenergienutzung auf, dass sich Windenergie in Bayern nicht lohne. Seit wenigen Jahren werden jedoch Windenergieanlagen mit modernsten Materialien und mit großen Rotordurchmessern und Nabenhöhen von deutlich über 100 Metern hergestellt. Der Fortschritt lässt sich auf zwei Formeln bringen: pro Meter Höhe steigt der Ertrag um ein Prozent. Und doppelter Rotordurchmesser bringt vierfachen Ertrag.
Es tut sich also mittlerweile im Binnenland ein enormes nutzbares Windenergiepotenzial auf. Laut Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) sind rund acht Prozent der Fläche in Deutschland zur Erzeugung von Windstrom geeignet. Selbst wenn alle 16 Bundesländer dauerhaft 98 Prozent ihrer Fläche für Windenergieanlagen sperren, hat die Windenergie nach IWES-Analysen ein Potenzial von 198.000 MW. Damit könnten moderne Windenergieanlagen die aktuelle Produktion der deutschen Atom- und Braunkohlekraftwerke auch in windschwachen Jahren ersetzen.
Wenn in ganz Bayern, so hat die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen (ABSI) errechnet, pro Gemeinde nur eine einzige moderne Windenergieanlage installiert würde, könnten damit rund 20% des bayerischen Stromverbrauchs gedeckt werden. Vor einigen Jahren hätte man für diese Strommenge noch mehrere Windenergieanlagen pro Gemeinde betreiben müssen. Und auch der aktuelle Bayerische Windatlas zeigt eindrucksvoll, dass es bei Nabenhöhen über 100 Meter nahezu in ganz Bayern geeignete Standorte gibt, an denen eine wirtschaftliche Nutzung der Windenergie möglich ist.
Diese aktuelle Situation in Bayern führt in der Windenergiebranche zu einer Aufbruchstimmung. Einige der Branchenteilnehmer haben bereits eine Niederlassung in Bayern gegründet, um möglichst nah am Geschehen sein zu können.
Beim Ausbau der Windenergienutzung ist jedoch neben der Technik vor allem die Akzeptanz in der Bevölkerung und der Politik entscheidend. Die bisherige Erfolgsgeschichte der Windenergie in Deutschland zeigt dafür entsprechende Wege auf. Modelle wie Bürgerwindparks, die Verteilung der Gewerbesteuern zugunsten der Standortgemeinden, die bewusste Einbeziehung lokaler Betriebe oder auch die Bereitschaft der Windparkbetreiber, mit den Menschen vor Ort akzeptable Ausgleichsmaßnahmen zu suchen, können dabei helfen, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Belastungsgrenzen durch Schlagschatten, Lärm oder Infraschall sind gesetzlich geregelt und müssen ggf. zugunsten der Bewohner angepasst werden. Eine Störung von empfindlichen Tierarten und Biotopen kann genauso wie eine Veränderung von bedeutenden Landschaftsbildern durch eine sorgfältige Standortauswahl vermieden werden. So sind mittlerweile auch Naturschutzverbände wie z.B. der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) der Ansicht, dass es ausreichend konfliktfreie Flächen in Bayern gibt, auf denen bei naturverträglicher Planung und unter Berücksichtigung weiterer naturrelevanter Kriterien (Schutz der Bürger vor Lärm, Erhalt des Landschaftsbildes) die Ausbauziele der Windenergie erreicht werden können.
Die technische Weiterentwicklung der Windenergienutzung und der Ausstieg aus der Kernenergienutzung entkräftet die Gegenargumente der Skeptiker und erzwingt so ein Umdenken. Das ermöglicht jetzt auch in Bayern den Start in die kostengünstige und nachhaltige Energieversorgung durch Windenergie.
